Marco Solari, Präsident des Filmfestivals von Locarno

Marco Solari «Gelb ist eine emotionale Farbe»

Marco Solari, Präsident des Filmfestivals von Locarno

Herr Solari, Sie gelten als einer der wichtigsten Botschafter des Tessins in der Schweiz. Wie wichtig ist das Filmfestival von Locarno, das Sie seit 2000 präsidieren, für die Region?

Es macht uns Tessiner stolz, ein Filmfestival mit Weltbedeutung zu veranstalten. Die enorme kulturelle Bedeutung hat aber auch eine politische Dimension: Wegen der vielen Bundesräte, Politikerinnen und Politiker, die uns besuchen, ist Locarno in dieser Zeit eine Art «Hauptstadt» der Schweiz. Unseren Sponsoren sage ich immer: Sie machen mehr als Kultursponsoring, Sie machen Föderalismussponsoring, Sie glauben an die Schweiz. Zudem werden durch das Festival in der Region rund 30 Millionen Franken umgesetzt.

Welche Rolle spielt PostAuto als Partner des Festivals?

PostAuto ist für uns als logistischer und materieller Partner unverzichtbar. Das Unternehmen passt hervorragend zum Festival. Es ist zuverlässig, unaufgeregt und gelb wie unser Maskottchen, der Leopard. Gelb ist eine emotionale Farbe. Überhaupt plädiere ich für mehr Emotionen in der Schweiz!

Bei anderen Filmfestivals werden Stars in Luxuslimousinen transportiert, in Locarno im Postauto. Ist das nicht zu unglamourös?

Das passt doch zum Understatement der Schweiz. Ich erinnere mich, wie der damalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder nach einem Znacht mit Bundesrat Leuenberger in Ascona den PostAuto-Shuttleservice zurück zur Piazza Grande nutzte. Seine Bodyguards fuhren in ihren gepanzerten Staatskarossen hinterher. Aber natürlich haben wir aber auch einen Limousinenservice.

Sie sind auch Präsident von Tessin Tourismus. Welche Bedeutung hat PostAuto für Ihren Heimatkanton?

Das Postauto ist eine nationale Ikone, und Ikonen sind gerade für Randregionen, wie sie das Tessin bis ins 20. Jahrhundert war, wichtig. Durch nationale Unternehmen wie PostAuto oder SBB fanden viele Tessiner gute Jobs und verkehrstechnisch Anschluss an Ballungsräume und die Restschweiz. Heute kommt die herausragende touristische Rolle des Postautos für uns hinzu. Ohne Postautos wären viele unserer schönsten Täler längst verwaist.

Haben Sie Kindheitserinnerungen ans Postauto?

Meine Grosseltern wohnten in Figino. Das Postauto Marke «Saurer» war das Verbindungsstück zum Rest der Welt. Manchmal brachte der PostAuto-Fahrer meiner Grossmutter sogar aus der Stadt Reis, Brot oder sonstige Einkäufe mit. Das gelbe Postauto ist tief in mir verwurzelt. Deshalb finde ich es schade, wenn Postautos heute manchmal mit Werbung vollgeklebt sind.

Sie sind 65 und dürften getrost mit einem Senioren-GA im Sack die Schweiz bereisen. Denken Sie nie ans Aufhören?

Nein. Ich würde mir wünschen, dass der Jugendwahn aufhörte und dafür die Erfahrung und die Energie der Älteren besser genutzt würden.

Marco Solari, 65, ist Präsident des Filmfestivals von Locarno und von Tessin Tourismus.