Katherine Choong

«Klettern ist Kopfsache»

Katherine Choong, Juniorenweltmeisterin im Sportklettern

Wie bist du zum Sportklettern gekommen?

Ich habe mit acht Jahren angefangen. Schon vorher war ich überall hinauf geklettert – im Haus und auf die Bäume. Ab und an bin ich auf die Nase gefallen, aber das konnte mich nicht vom Klettern abhalten.

Du gehst nicht gern zu Fuss. Da müsstest du eigentlich PostAuto-Fan sein...

Stimmt, ich bin ziemlich faul und froh, wenn mich das Postauto möglichst nah zu den Kletterwänden fährt. Die Wände sind ja selten in der Nähe eines Bahnhofs, und meine Eltern wollen mich auch nicht immer fahren. Es macht ja auch Spass: Einmal sind wir mit dem Kletterteam nach Soyhières im Jura gefahren, samt dem ganzen Material, den Seilen, Gur-ten und Picknick. Wir kletterten den ganzen Tag, genossen die Sonne – und dann wieder zurück mit PostAuto.

Du sagst, du könntest ohne Klettern nicht leben. Warum nicht?

Wer klettert, braucht viel Willen. Klettern ist Kopfsache, und ich fordere mich halt gerne heraus, gehe gerne ans Limit, auch wenn ich fast am Ende bin. Wenn ich klettere, gibt es nur noch mich und die Wand. Nichts anderes.

Hast du gar nie Angst?

Doch! Vor allem am Anfang war ich ein Angsthase. Man muss halt lernen, die Angst zu überwinden. Und es braucht absolutes Vertrauen in die Person, die einen sichert, damit man seine ganze Konzentration aufs Entscheidende lenken kann: die Wand oder den Felsen.

Du liest gern Bücher von Amélie Nothomb, einer belgischen Autorin, die in Japan aufgewachsen ist. Wie würdest du deine Identität beschreiben?

Stimmt, es gibt da Ähnlichkeiten. Mein Vater stammt aus Singapur, meine Mutter ist Italienerin. Aber ich habe meine eigene Identität gefunden: Ich bin das Kind zwei total verschiedener Kulturen, die aber in meinen Augen gleichwertig sind.

Katherine Choong (19) aus Glovelier (JU) ist Juniorenweltmeisterin im Sportklettern und studiert Recht in Neuenburg.