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Lea Rossi
...trifft Brad Pitt zu später Stunde
Eigentlich hätte ich es wissen müssen. Ein Apéro mit meiner früheren Yogalehrerin Bea kann sich gut und gerne über mehrere Stunden hinziehen. Besonders, wenn das letzte Treffen mehr als ein halbes Jahr zurückliegt. Nur schon bis man die beiden grossen B, Beruf und Beziehung, auf den neusten Wissensstand gebracht hat. Dabei war mein Weg ins Rägebögli mit lauter guten Vorsätzen gepflastert. Erstens: Ich genehmige mir nicht mehr als ein Glas Holundersekt. Zweitens: Spätestens um neun mach ich mich auf den Heimweg. Doch als Bea mir ausführlichst von ihrer neusten Flamme erzählte – einem Naturarzt in «umwerfender Batikhose» –, war es Punkt zehn.
Ich hatte bereits drei Glas Holundersekt getrunken und fühlte mich herrlich beschwingt. Um elf erfuhr ich, dass sein Dreitagebart meine Freundin «irgendwie an Brad Pitt» erinnerte. Dann endlich kam ich zu Wort und erzählte von den Vorzügen des Landlebens, vom Tomatengewächshaus, das mein Mann Bruno gebaut hat, und ... «Himmel!», rief ich. 100 Wecker schellten und gaben das Zeichen zur letzten Runde. «Ich muss gehen! Ich habe Luca versprochen, ihn morgen zur Schule zu bringen!» «Ich zahl dir die Hälfte am Taxi», schlug Bea vor. «Sicher nicht!», winkte ich ab.
Eine Viertelstunde später erwischte ich leicht atemlos den gelb leuchtenden Nachtbus, zahlte den Nachtzuschlag und liess mich erschöpft ins Polster fallen. Ich musste eingeschlafen sein, denn ich träumte von Brad Pitt, der meine Tomatenstauden bewunderte. «Hallo Lea! Das ist doch deine Haltestelle!», weckte mich eine tiefe Stimme. Es war André, der PostAuto-Fahrer, der schon seit Ewigkeiten auf dieser Linie fährt. Er lächelte. Und irgendwie erinnerte er mich an Brad Pitt.
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