Sagenhaftes Romoos

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Sagenhaftes Romoos

Wer in Romoos (LU) genau hinschaut, entdeckt Zwergenspuren in den Wäldern, Gold in den Flüssen und ein urtümliches Stück Schweiz im Hotel Kreuz.

Ländlermusik dringt vom getäferten Saal hinab in die ebenfalls getäferte Gaststube des Hotel Kreuz. Zur Musik gesellt sich – von der Küche her – der Duft eines Voressens. Hier im «Kreuz» treffen sich seit über 100 Jahren die Einheimischen zum Jubilieren, Musizieren, Debattieren. Oder sie sitzen einfach zusammen bei einem Kaffee in einer Pause oder einem Bier zum Feierabend oder nach der Kirche, dann freilich nach Mann und Frau getrennt.

Auch Elis Aregger sitzt an diesem Morgen am Stammtisch im «Kreuz». Ein ungeklärter Autounfall ist das Gesprächsthema, dann kommt man aufs «Zyberliland» zu sprechen, die lokale Touristenattraktion. Familien und ganze Schulklassen kommen im Sommer mit dem Postauto angereist, um hier zwischen Fichten und Föhren, Bächen und Berberitzen die «Haselschule», die «Talherrenburg» oder das «Bärgmandlidorf» zu erkunden. Und wer sitzt dann oftmals mittendrin im Kinderpulk? Eben Elis Aregger, die Autorin der «Zyberligschicht», die «Märlitante von Romoos».

In der «Haselschule» erzählt sie dann den Kindern von den zwergenhaften «Bärgmandlis», die früher am Fusse des Napfs wohnten, sich von kleinen Wildpflaumen – den «Zyberlis » – ernährten und für die reichen «Talherren» tief im Wald das Gold versteckten. Die «Talherren» aber dankten das den Zwergen schlecht: Sie rodeten die Zyberlibäume und provozierten damit einen Zwergenaufstand, später gar einen Zwergenexodus, wobei die «Bärgmandlis» das Geheimnis um das versteckte Gold gleich mitnahmen. «Noch heute», erzählt Elis Aregger, «ist das Schimpfen der Talherren zu hören, wenn der Wind durch die Napfwälder pfeift.» Und manchmal finde man in den hiesigen Flüssen Goldkrümel, winzige Vorboten eines viel grösseren, nie gefundenen Schatzes mit dem Gold der Talherren.

Kein Wunder, machen jetzt die Kinder in der «Haselschule» grosse Augen – während auf der anderen Seite von Romoos, unten an der Grossen Fontanne, Erwachsene ganz kleine Augen machen. Angestrengt blinzeln sie in ihre Goldwäscherpfannen. «Ich sehe nichts», sagt eine Touristin, die mit Gummistiefeln im Gewässer steht. Sie sucht nach dem berühmten Napfgold, aus dem noch im 18. Jahrhundert Luzerner Golddukaten geprägt wurden. Dazu braucht sie Geduld und die Anleitung des PostAuto-Fahrers von Romoos, Gerold «Gsto» Unternährer. Er trennt Steine von Steinchen, Steinchen von Sand und Sand von Sandkörnchen, bis plötzlich ein einsamer Punkt auf dem Boden der schwarzen Schüssel aufblitzt wie ein sehr, sehr ferner Stern: Gold.

Doch ganz egal, wo all die Menschen an diesem Tag rund um Romoos rumtobten, ob sie den Napf bestiegen, Gold gewaschen oder das «Zyberliland» erkundet haben, ob sie das Postauto gelenkt oder die Ställe ausgemistet haben – am Abend zieht es Einheimische wie Touristen magnetisch ins «Kreuz». Am meisten Sitzfleisch haben die Stammtischler. Im Gedicht «Mier vo Romoos» sind sie so beschrieben: «Me seit, mier sige grob und ruuch. S’Flattiere isch hie nid dr Bruuch. Im Stettlerzüüg si mier nid hold, doch si mer trüi wi s’Ämmegold – achtzähkarätig, guet und ächt.»